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Zeitgeist in Reifrock

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Das Modemuseum im Residenzschloss Ludwigsburg lädt zur textilen Zeitreise ein Hochgeschlossene Korsage, Wespentaille, lange Schleppe – rund 900 Stunden Handarbeit steckten  mindestens hinter dem mit 180 satinbezogenen Knöpfchen geschlossen Brautkleid von Dolce & Gabbana, in dem – neben einigen anderen Prachtgewändern – Lauren Sanchez Bezos bei der Hochzeit des Jahres 2025 einem der reichsten Männer der Welt in Venedig ihr Luxus-Jawort gab.

900 Stunden für ein Kleid, das nur einen, natürlich millionenfach publizierten, Auftritt erlebt ?Durchaus nicht ungewöhnlich in jenem kleinen, höchst exklusiven Kreis der rund 800 Damen weltweit, die zu den Stammkundinnen der Haute Couture zählen: Rund 850 Arbeitsstunden von acht Personen setzt etwa Dior für ein Kleid einer neuen Kollektion an. Einen noch höheren Aufwand erforderte vermutlich Lady Dianas Brautgewand anno 1981, für das allein 139 Meter Tüll und 10 000 Perlen verarbeitet wurden.

Was in der Zeit von H&M und anderer Billigmode übertrieben anmutet, wäre vor einigen hundert Jahren fast schon selbstverständlich gewesen: Was bei Krönungen, höfischen Festen und großen Bällen an textilen Kostbarkeiten präsentiert wurde, lässt nicht nur Fashionistas wohlig erschauern: Es sind Spitzenerzeugnisse der Handwerkskunst – herrliche Stoffe, Stickereien, Spitzen, bis ins kleinste Detail sorgfältigst verarbeitet. Dabei sind diese Kunstwerke nicht nur einfach „schön“ – jedes Stück erzählt seine Geschichte und lässt den jeweiligen Zeitgeist zu Worte kommen, ähnlich wie die Porträts der prominenten Trägerinnen und Träger. (Was werden wohl spätere Generationen beispielsweise von den Geschmacklosigkeiten einer Kim Kardashian halten???).

Ob das Victoria and Albert Museum in London, die Inauguration Dresses der amerikanischen First Ladies im Smithonian Museum in Washington, das Metropolitan Costume Institute mit seiner legendären Met Gala in New York oder das Louis Vuitton Museum in Paris – Mode fasziniert quer durch die Jahrhunderte. Diese Faszination lässt sich nicht nur in den Museen und aktuellen Ausstellungen in den Modemetropolen erleben – das vergleichsweise unbekannte Modemuseum im Schloss Ludwigsburg lohnt die kurze Anreise allemal!

Den Anspruch, Kleidung und Zeitgeist in engen Bezug zu setzen, macht schon der erste Schaukasten deutlich: Ein frecher Bikini neben einer Burka – kleine Schocktherapie als Herausforderung, sich mit den Menschen in ihrer typischen Kleidung auseinander zu setzen. „Wie konnten die eigentlich aufs Klo gehen?“ ist eine der typischen Fragen – nicht nur bei den Kinderführungen – angesichts der Rokoko-Damen mit riesigem Reifrock-Gestell unter goldbesticktem Samt .(Mühsam!). Unterhosen aus Leinen mit rückwärtiger Klappe kamen erst Jahrzehnte später auf … Haute Couture von Beginn des 18. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre gibt sich ein modisches Stelldichein, darunter viele fürstliche Originalteile, über deren Trägerinnen und Träger der Audioguide informiert. „Alles schon mal dagewesen“, diese modische Binsenweisheit bestätigt sich immer wieder: Mules, die in diesem Sommer ein Must have für Modefüße, zierte bereits im Rokoko Damenfüßchen – allerdings mehrere Nummern kleiner. Hauchzarte bodenlange Kleider in Semi-Transparenz mit hoher Taille und tiefem Ausschnitt waren im Empire der „dernier cri“ – ohne Schleppe würden sie auch jetzt als „letzter Schrei“ durchgehen.

Korsagen und Korsetts mit Folterqualitäten für die schlanke Taille – shape wear vom Feinsten! Und eine Abendrobe von Lanvin oder ein Charleston-Partykleid würden Furore machen. Der Ozelotmantel, den eine Münchner Dame dem Museum stiftete, würde dagegen wohl einige böse Blicke auf sich ziehen, und auch das Cape aus Schwanendaunen dürfte einiges Befremden auslösen. Natürlich kommen nicht nur Besucherinnen auf ihre Kosten – Männer kleideten sich mindestens eben aufwändig. Wer könnte schon einem Herrn im eleganten Brokathausmantel widerstehen?

Weniger als Eleganz zählt in harten Zeiten die Funktionalität: Aus einem Wehrmachtsmantel entstand nach Kriegsende ein strapazierfähiges Kostüm im Trachtenstil. Mit „High fashion und Subkultur“ schließt sich der Bogen in der letzten Vitrine. Mehr Platz bietet das Museum derzeit nicht, aber so manches Exponat in spe hängt wohl schon jetzt in vielen Kleiderschränken oder macht als „Vintage“ Karrriere.

Sonderführungen ermöglichen im Schloss Ludwigsburg professionellen Zugang zu der Welt à la mode – sowohl für Studierende der Modeschulen als auch für Familien und Schüler. „Wer schön sein will, muss leiden“, ist eine der Führungen überschrieben, in denen der Nachwuchs unter anderem notiert, was er oder sie keinesfalls anziehen möchte. „Wie haben die das ohne Nähmaschine gemacht“, wundert sich dann so manches Fashion-Kid, ist aber dankbar für T-Shirt und Sneaker statt der „kindlichen“ Hoftracht.

(Irene Schröder)

Alle Infos über Öffnungszeiten, Führungen und Eintrittspreise: www.schloss-ludwigsburg.de

Allgemein Kultur Menschen

Im Chor der schlimmen Stimmen

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Weghören hilft nicht. Warum uns die Stimmen von Frauen immer öfter nerven.

So etwas haben wir noch nie gemacht. Wir müssen hier einmal über die Frauen reden. Damit meinen wir nicht ihren Geist, ihr Aussehen oder die unbestrittene Fähigkeit, einzuparken. Nein, wir müssen hier über die Stimmen der Frauen reden.

Nur gänzlich tauben Menschen konnte entgangen sein, dass die Stimme ein eminent wichtiges Kommunikationsinstrument ist. Ohne unserer aller Stimmen wäre die Welt eine doch recht taube Angelegenheit. Da fällt einem jetzt erst mal das Gesäusel von Verliebten ein, weiter das Gebrabbel von Babys, aber auch das Gezwitscher der Vögel und das friedliche Schnurren einer Katze, usw., usf.

Was sind das doch für beglückende Laute, die uns täglich in akustischer Verbindung zu anderen Lebewesen setzen. Da braucht man jetzt gar nicht auf Helene Fischer zu verweisen, die allein schon mit ihrem ‚Atemlos durch die Nacht’ uns  hören lässt, was man mit so einer Stimme alles anstellen kann. Doch lasse man sich nicht täuschen. Es handelt sich bei Helene Fischer um eine rundum ausgebildete Stimme, die uns da aus dem Radio entgegenschallt. Allein durch diese Stimme ist es ihr gegeben, uns in Träume zu wiegen, ja, gar tief in unserem Inneren die Sehnsuchtslaute zu zupfen, wodurch diese zum Klingen gebracht wird. Und was dergleichen halt noch mehr sein könnte.

Denn es ist ja für uns Hörer gerade das Radio, das uns durch seine akustische Präsenz anspricht. Radio geht ins Ohr und dann natürlich sofort ins Herz. Neben der Musik sind es vornehmlich die Stimmen, die uns ansprechen. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Umso mehr sollte diesem Medium daran gelegen sein, durch die Auswahl geeigneter Stimmen für sich zu werben. Das ist heute so und war früher nicht anders.

Wer z.B. das Glück hatte, vor etwa zwanzig Jahren in Baden-Württemberg zu leben und den SWF zu hören, der wurde zwangsläufig Zeuge, wie aus dem Radio die sonore, kräftige und markante Stimme eines Baldur Seifert tönte, der uns Hörer den Sonntagmorgen verschönerte. Und dann erst Heinz Siebeneicher! Wer noch miterlebt hatte, wie er das Wunschkonzert virtuos moderierte, der mochte ahnen, was es heißt, wenn man sagt, dass die (weiblichen) Fans diesen Stimmen förmlich zu Füssen lagen. Doch gab es auch weibliche Stimmen, die bezauberten. So hört man vor vielen Jahren in SWF 3 eine Stimme, die einem Mädchen namens Susi gehörte. Susi lispelte leicht, aber das war uns egal. Sie bezauberte allein schon mit ihren hingehauchten, gurrenden Wetternachrichten. Da war sogar der Regen schön.

Nun müssen wir die unverhohlen erotische Komponente einer Stimme gar nicht bemühen, um zu konstatieren, dass da mit den heutigen Radiostimmen etwas im Argen liegt. Die Stimme sollte in jedem Fall im Inneren des Körpers entstehen, da, wo der Resonanzraum sitzt. Dann erst wirkt eine gute Moderation unangestrengt, weshalb sie auch den Zuhörer entspannt. Das ist im Unterhaltungsradio nicht anders als in den aufklärerisch-politischen Programmen.

So kommen wir fast zwangsläufig auf den Deutschlandfunk zu sprechen, eines der Radioprogramme mit einem relativ hohen Wortanteil. Gerade deshalb müsste dem Programm daran gelegen sein, die so wichtigen wie bisweilen trockenen Themen in einer den Hörer ansprechender Weise zu präsentieren. Doch dem ist nicht so. Eine neue Generation von Stimmen hat anscheinend das Mikrofon übernommen. Universell gebildet, gecastet, geprüft. Doch keinerlei Sprechausbildung, keine Prüfung, ob die Stimme überhaupt fürs akustische Medium geeignet ist.

Dem Hörer wird’s vertraut vorkommen. Etwa 80 % aller zeitgenössischen Stimmen junger Frauen. Selbst   Mädchen klingen schon so. Nicht anders als bei aktuellen Schlagersängerinnen sind deren Stimmen gepresst, gedrückt, bisweilen überdreht, jedenfalls im Kopf angesiedelt. Es scheint der Sound der neuen Zeit. Das wirft zwangsläufig die Frage auf: warum das so ist? Hier kann man nur Vermutungen anstellen.

In aller Vorsicht denkbar wäre die Erklärung, dass die derzeitige emanzipatorische Bewegung Stress der neuen Art hervorgebracht hat. Die Frauen wollen (und sollen!) gehört werden. Doch scheint’s, als hätten sie sich in der Rolle noch nicht recht eingelebt, d.h. das Selbstverständnis des sich Artikulierens ist noch nicht vollständig ausgeprägt. So will man mit stimmlichem Lärm auf sich, sein Anliegen und seine Bedeutung aufmerksam machen. Nicht auszuschließen, dass die Frauen sich nicht nur in einem Wettbewerb mit den Männern sondern auch mit anderen Frauen befinden. Sie setzen sich unter Druck, immer und überall gehört zu werden. Wer am meisten nervt hat die Chance, am ehesten gehört zu werden?

Hier auch anzuführen sind die Sprecherinnen von Umweltgruppen, deren penetrante Stimmen mühelos auf Mikrofone verzichten könnten. Ähnlich die Politikerinnen Bündnis90/der Grünen, aber auch der SPD. Wer jemals Annalena Baerbock gelauscht hat, weiß, wovon hier die Rede ist, aber auch Malu Dreyer muss hier angeführt werden, die der SPD eine furchtbare Stimme verleiht.

Ein ganz anderer Fall in diesem Zusammenhang war die Familienministerin Franziska Giffey, ebenfalls von der SPD. Sie ist nicht nur mit der Gabe gesegnet, fremde Zitate zu einem für eine Dissertation offensichtlich ausreichenden Konvolut zusammenzumischen. Darüber hinaus verfügt sie zudem noch über die Gabe einer reinen, hellen Kinderstimme, die sie zu einer Hoffnungsträgerin der alten SPD werden ließ. Offensichtlich hoffte man, von dieser einzigartigen Begabung noch möglichst lange zehren zu können. So, wie sich Franziska Giffey anhört, noch mindestens die nächsten 60 Jahre.

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Entfaltung der Farbe und der Freiheit

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Ein Gesamtkunstwerk: Simon Hantai findet im Museum Frieder Burda ideale Bedingungen vor

 

© Archives Simon Hantaï/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026 Foto: Édouard Boubat / VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Aus Kunst- oder Werkunterricht dürfte sich noch so mancher Ex-Hippie an die Stofflappen erinnern, die zu Bündeln verschnürt, in Farbe getaucht wurden. Nach dem Trocknen kamen Muster zum Vorschein, Kreise, Linien oder Wellen, je nach Wickeltechnik, mehr oder weniger gelungen. Fortgeschrittene falteten ausrangierte Tischdecken oder Laken vor dem Färben oder verwendeten Wachs zur Mustergestaltung ihrer Batikerzeugnisse.

Derart simpel machte es sich natürlich Simon Hantai (1922-2008) nicht! „Entfaltung der Farbe“ ist die aktuelle Ausstellung im Museum Frieder Burda zwar überschrieben, aber die über 40 Werke stehen (auch) für die Entfaltung eines künstlerischen Lebensweges aus dem düsteren Schatten des Eisernen Vorhangs in die Freiheit eines international gefeierten Avantgardekünstlers.

Keine Retrospektive wie beispielsweise die spektakulären Schauen vom Centre Pompidou 2013 und der Fondation Louis Vuitton 2022 soll die erste große Ausstellung seit 25 Jahren in einem deutschen Museum sein, betont Museumschef und Kurator Daniel Zamani, sondern eine Präsentation der jeweils bedeutendsten Werke einer Epoche, alle geprägt von einer wohl unstillbaren Neugier und explosiven Schaffenslust. Der Richard-Meier-Bau an der Oos bietet den mit Unterstützung der Familie Hantei ausgewählten Werken mit seinen lichtdurchfluteten Räumen ideale Bedingungen – die Arbeiten können sogar bei Tageslicht gezeigt werden. „Die Söhne waren begeistert“, erzählt Zamani. Begeistert war auch Hantais Witwe Zsusza, eine sehr muntere 102-jährige Dame.

Die Freiheit der persönlichen Entfaltung hat sich Simon Hantai hart erarbeitet: Der 1922 in der Nähe von Budapest geborene Sohn einer schwäbischen Auswandererfamilie wurde in seiner Jugend stark durch den katholischen Glauben und die Musik geprägt, engagierte sich früh politisch gegen die Kollaboration Ungarns mit Nazi-Deutschland und begann 1941 mit einem Studium an der Kunsthochschule in Budapest. 1948 floh er mit seiner Frau Zsusza vor dem neuen kommunistischen Regime nach Paris – in eine neue, flirrende Kunst-Welt, deren Spektren zu seiner endgültigen Abkehr von der gegenständlichen Malerei führen. Surrealismus, abstrakter Expressionismus, Informel, Action Painting, Collagen – Hantai muss diese Flut neuer künstlerischer Ausdrucksformel wie der buchstäbliche trockene Schwamm aufgenommen und interpretiert haben. 1960 bringt die entscheidende Wende:

© Archives Simon Hantaï, VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Cédrick Eymenier

Der mittlerweile französische Künstler konzentriert sich auf die „Pliage“ (Faltung). Gefaltete, zerknitterte oder geknotete Leinwand wird mit Öl- oder Acrylfarbe bedeckt. Farbig leuchtende „Zufallsmuster“ zeigen sich beim Entfalten und Glattziehen der Leinwand. Um einen ganz besonderen „Stoff“ handelt es sich bei der insgesamt 28 Werke umfassenden Serie Mariales, die zwischen 1960 und 1962 entstand. Inspiriert von der Madonnenverehrung der katholischen Kirche „entfalten“ sich Teile des traditionellen Schutzmantels in leuchtenden Farben der Renaissance. Einen sehr persönlichen Bezug hat eine scheinbar „kleine“ Arbeit im Vorfeld der riesigen „Tabulas“, die den imposanten Abschluss der Ausstellung bilden: Hantais Mutter Anna trug zu ihrer Tracht eine Rumburger Schürze mit Rautenmuster, die der kleine Simon auf Hochglanz bügeln musste. Das schlichte braune Kleidungsstück stand mit seiner Akkuratesse gewisserweise Pate für die monumentalen Wandbilder, die an Freskenmalerei erinnern.

Eine schöne Sommerausstellung“ nannte Daniel Zamani„Eine schöne Sommerausstellung“ nannte Daniel Zamani die von ihm ausgewählte Sammlung, deren Farbenreichtum noch bis zum 10. Januar 2027 Licht in düstere Herbst- und Wintertage bringen kann. Unbedingt zu empfehlen sind der Audioguide,
beziehungsweise die Führungen im Begleitprogramm, um die Komplexität dieser Arbeiten mit ihren historischen, spirituellen und politischen Hintergründen zu begreifen. Ein Kunst- Werk für sich ist der im Hirmer Verlag erschienene Katalog, der im Concept Store des Museums zum Sonderpreis von 39 Euro erschienen ist. Eine sehr persönliche Begegnung mit dem Ausnahmekünstler ermöglicht der 1976 von Jean-Michel Meurio gedrehte Dokumentarfilm über Simon Hantai, der in der Kinoreihe Leinwand im Moviac-Kino im Kaiserhof am 27. September, 25. Oktober, 29. November und 27. Dezember jeweils um 17 Uhr gezeigt wird. Wie bei jeder Ausstellung können auch kleine Künstler im Begleitprogramm die Entfaltungsmöglichkeiten von Farbe und der eigenen Kreativität entdecken.

(Irene Schröder)

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From Vienna with love!

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Schenken leicht gemacht. Eine Hilfe.

Es dürfte ja nun mittlerweile unbestrittenen sein, dass Reisen bildet. Reisen weitet den Horizont, lässt einen den Rest der Menschheit besser verstehen. Wie tickt der Fremde, was begeistert ihn, was macht ihm Freude? Ganz neu ist das nicht. Auch die Heiligen aus dem Morgenlande wussten ja damals schon, was das Kind in der Wiege frohlocken lässt.

So oder so ähnlich muss man sich das vorstellen, wird man eingeladen und überlegt, mit was man den Gastgeber überraschen könnte. Besonders schön wäre, legte das Mitgebrachte auch von der weltoffenen Sicht des Gastes Zeugnis ab. Hier kommt mir jetzt der letzte Urlaub in den Sinn, der mich nach Wien führte, von wo aus ich, völlig altmodisch, eine Ansichtskarte verschicken wollte und deshalb auf der Suche nach einer Briefmarke die dortige Hauptpost  aufsuchte. Kaum hatte ich Marke bezahlt, fiel mein Blick auf einen dort beworbenen  Geschenkvorschlag: ein blaues Hemd, wie es offensichtlich von Österreichischen Postbeamten im Dienst getragen wird. Instinktiv wusste ich, dass ich als Gast mit dieser Entdeckung bei meinem männlichen Gastgeber in jedem Fall einen Volltreffer landen würde.

Das Hemd, tiefblau und eher konventionell geschnitten, soll wohl aus „Hadernpapier“ (der Begriff leitet sich von ‚Hadern‘ ab: Lumpen- oder Stofffetzen) bestehen, ein Präsent, das von der Weltläufigkeit des Schenkenden ebenso kündet wie von seinem Umweltbewusstsein. Eine rundum glückliche Fügung, besteht der Stoff doch letztlich aus bereits ordentlich getragenen, dann aber recycelten Diensthemden österreichischer Postboten mit ihrem traditionell geringem Schweißanteil.

Derzeit sei es an der Poststation aber nicht zu haben. Ausverkauft. Versandadresse liegt aber vor. Hab’s gleich bestellt.  So geht Einladung.

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„BIMBI EDUCATI“!

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Essengehen mit den Kleinen? Schwierig. 

Was gibt es Schöneres für eine Mutter als das Lachen ihres Neugeborenen? Das sieht manch ein Gastronom auch so, vermutet er doch hinter jedem jungen Erdenbürger einen zukünftigen Gast. Hängt natürlich davon ab, ob sich der junge Gast beim Essen auch gut benimmt. Ist dem nicht so, schafft es Verdruss, und zwar bei den anderen Gästen, dem Personal und bisweilen sogar bei den Eltern, die über dem zärtlichen Blick auf den Nachwuchs die Zumutungen, die er so mir sich bringt, manchmal partout nicht erkennen wollen.

Das muss wohl auch beim Gastronom Antonio Ferrari in Padua so gewesen sein, und zwar ziemlich lange, sodass er sich entschloss, unter dem Motto „BIMBI EDUCATI“ 5% Rabatt zu gewähren. Der Rabatt wird fällig, wenn sich die lieben Kleinen in der Gaststube so benehmen, dass  die anderen Gäste sich nicht gestört fühlen. Was natürlich herausfordernd sein kann!

Und doch sind es gerade die Eltern, die durch rechtzeitige Erziehungsmaßnahmen ihren Beitrag dazu leisten könnten, dass den Mitessern an anderen Tischen durch den Kinderlärm das Schnitzel nicht von der Gabel fällt.

Notwendiger Nachtrag:

Einmal angefangen müsste man das Ganze allerdings hier schon noch zu Ende denken: wer kriegt den Rabatt, wenn die Eltern sich im Lokal gut benehmen?

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