Oft, wenn ich dem Schleuderwaschgang meiner Bosch Waschmaschine lausche, muss ich – obwohl mittlerweile schon ein Paar Jahre her – irgendwie immer an Uschi denken. Uschi – das vorneweg – war eine der wenigen Frauen, die am Stammtisch meiner Stammkneipe wohlgelitten war.
Sie hatte ein hübsches Gesicht, das entfernt an die freundliche Physiognomien von Max & Moritz erinnerte. Auffallend allerdings waren ihre großen Ohren, wovon zumindest das rechte sie für Ihren Arbeitgeber offensichtlich so wertvoll machte, dass er sie einstellte.
Erinnere ich mich recht, arbeitet sie in der Qualitätssicherung von Bosch, wo sie mit ihrem feinen Gehör den Rundlauf kleiner Elektromotoren prüfte. Hierzu musste sie einzelne Motörchen vom Band nehmen. Dann versetzte sie deren zentrale Achse in eine Drehung, wobei sie den Elektromotor zwecks der akustischen Prüfung an ihr Ohr drückte. Waren keine Geräusche zu hören, der Lauf also tadellos, hatte das Produkt die Prüfung durch Uschis Ohr bestanden. Das Teil wanderte daran anschließend zurück auf’s Band, ruckelte weiter zum Verpacken und ging anschließend in den Versand.
Von dieser akustischen Prüfung zurück blieb bei Uschi aber meist eine Spur helles, noch unverbrauchtes Maschinenöl, das sich an ihrer Ohrmuschel absetzte. Da sie, wie eigentlich immer, gleich nach der Arbeit in die Kneipe gekommen war, schenkte sie dem Fleck keine Beachtung. Dort verblieb er folglich den ganzen Abend, quasi als fortwährendes Zeugnis ihrer Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse, was den Stammtisch lange Zeit in ein stilles Entzücken versetzte.
Ähnliches Entzücken befällt mich auch heute noch, wenn ich den über so viele Jahre klaglos runden Lauf meiner Bosch Waschmaschine bewundere. Denn wäre dem nicht so, hätte dieser Motor die Endabnahme nie bestanden, Uschis Ohr wahrscheinlich also auch nie gesehen.